Wundermittel für eine schmale und ästhetische Nase? Injektionen mit Cortison-Kristallen sollen dies möglich machen

Veröffentlicht am 25. August 2021 um 23:09

Was beinhaltet der „Wirkstoff“ Kristall-Cortison überhaupt bzw. was verbirgt sich hinter diesem Namen und wie gefährlich ist diese Methode der plastischen und ästhetischen Chirurgie ist, möchten wir einmal analysieren.


 

Wundermittel für eine schmale und ästhetische Nase?

Injektionen mit Cortison-Kristallen oder „Kristall-Kortison“ sollen dies möglich machen.

Was beinhaltet der „Wirkstoff“ Kristall-Cortison überhaupt bzw. was verbirgt sich hinter diesem Namen und wie gefährlich ist diese Methode der plastischen und ästhetischen Chirurgie, möchten wir nachfolgend einmal analysieren.

 

Wie der Name schon vermuten lässt, enthält das angesprochene Produkt „Kortison“, ein körpereigenes Hormon, das im Immunsystem Entzündungsprozesse und Schwellungen hemmen soll.

Es gibt auch Präparate und Medikamente aus der Pharmakologie, z.b. Asthmasprays, Tabletten oder Injektionslösungen, welche als anti-entzündliche Komponente dienen.

Laut der sozialen Medien gibt es eine einfache Behandlungsmethode zu der „schmalen Nase ohne OP“.

Eine Nasenkorrektur oder „Verschmälerung“ erfolgt üblicherweise mittels operativen Eingriffes. Im Anschluss kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die Nase vollends abgeschwollen und die neue Form final sichtbar ist. Daher gibt es immer wieder Methoden, welche eine schmale Nase ohne aufwendiges Prozedere und ohne OP versprechen. Einer dieser Methoden nennt sich „Kristall-Kortison“ und ist in Fachkreisen nicht unumstritten.

Tatsächlich wird der Wirkstoff Kortison schon über Jahre in der plastischen und ästhetischen Medizin eingesetzt. Besonders wirksam werden Cortison-Injektionen z.B. bei wuchernden Narben (Keloiden) oder nach Nasenoperationen bei dicker Nasenhaut bzw. zum postoperativen „Abschwellen“ eingesetzt. Zudem kann der Wirkstoff auch sehr gut für Korrekturbehandlungen eingesetzt werden, z.B. bei Knotenbildungen durch Unterspritzungen. Dabei wird Kortison lokal eingesetzt, um vernarbtes Gewebe zu reduzieren.

Bei den meisten dieser Behandlungen ist eine langsame Freisetzung des Wirkstoffs über mehrere Wochen in nur kleinen Mengen gewünscht. Daher liegt das Cortison in den Spezialpräparaten als Kristall gebunden vor, hier hat auch der Name „Kristall-Cortison“ seinen Ursprung.

Der Effekt bzw. das Ziel der Behandlung mit „Kristall-Kortison“ ist eigentlich selbsterklärend. Die Behandlung zielt darauf ab, in das Weichteilgewebe der Nase Cortison zu injizieren, um das Gewebe zu reduzieren, das überschüssige Nasengewebe „aufzulösen“ und die Nase so verkleinern/verschmälern zu können. Wichtig ist eine punktgenaue Injektion, welche im Anschluss einmassiert wird und das Gewebe gezielt abbauen soll. Die Methode klingt im ersten Moment harmlos, kann aber starke Nebenwirkungen zur Folge haben.

Unsere Nase besteht aus einer Komposition von Haut, Fett-, Muskel-, Knorpel- und Knochengewebe sowie dem Schleimhautgewebe. Das Gefährliche bei „Kristall-Kortison“ oder generellen Cortisonbehandlungen in diesem Areal ist, dass die fragile Anatomie der Nase zwischen Muskulatur-, Knorpel, Weichteil-, Fettgewebe unkontrolliert zerstört wird. Mit anhaltenden Cortison-Injektionen kann man also das „Mikrogerüst“ unserer Nase zum Einsturz bringen. Bei zu hoher Dosierung oder häufiger Wiederholung nehmen Haut und Knorpelstruktur einen irreparablen Schaden. Leider ist trotz punktgenauer Injektionen und guter fachlicher Ausbildung Cortison nicht so leicht „steuerbar“, wie wir uns wünschen. Diffundiert der Wirkstoff Cortison in die Schleimhautregion oder in das knorpelartige Gewebe der Nase, kann das besonders gefährlich sein. Permanente Cortison-Injektionen können auch dazu führen, dass es zu einer starken Ausdünnung der Haut kommt, die leider irreversibel ist. Die so genannte „Kortisonhaut“ ist dünn wie Pergament, verletzlich (teilweise offene Dermaldefekte), faltenreicher und zeigt oft Pigmentstörungen oder sich deutlich abzeichnende Blutgefäße.

Einen besonders großen Nachteil sehen wir im „Dauerkonsum“ dieser Behandlung, denn dann ist auch eine etwaige operative Nasenkorrektur nicht mehr möglich. Die Haut ist nach den zahlreichen Injektionen und Cortisondepots deutlich dünner, die Durchblutung ist vermindert und das Gewebe in Summe weniger stabil.

Wir können den Wunsch der Patienten einer einfachen Lösung im Bereich der „Nasenoptimierung“ durchaus nachvollziehen, halten aber eine „Kristall-Kortison-Therapie“ auf lange Sicht für eher nicht empfehlenswert für den Patienten.

Entscheidet man sich für eine schmalere Nase mittels Kortison-Injektionen muss man sich der Nebenwirkungen und Risiken bewusst sein.

Die Behandlung der Nase mit „Kristall-Kortison“ oder Cortison im Allgemeinen in diesem Gebiet sollte in der Regel nur sehr ausgewählten Fällen vorbehalten sein, nämlich nach Nasenoperationen bei sehr dicker Nasenhaut, die zu Narben- und Bindegewebswucherungen neigt, kurzzeitig nach Schwellverhalten im Nasenbereich oder falls eine weitere Operation der Bindegewebswucherung nicht möglich ist.

 

 

Ciao DB


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