Dehnungsstreifen, Wachstumsstreifen, Schwangerschaftsstreifen - Risse in der Unterhaut

Veröffentlicht am 12. August 2021 um 22:37

Dehnungsstreifen, Wachstumsstreifen oder von uns Medizinern auch Striae genannt, sind zunächst bläulich-rote und später weiß-gelbliche, narbenähnliche Risse unter der Hautoberfläche, welche typischerweise im Brustbereich, Bauch, Oberschenkeln oder Gesäßbereich auftreten.


 

Dehnungsstreifen, Wachstumsstreifen, Schwangerschaftsstreifen - Risse in der Unterhaut

Dehnungsstreifen, Wachstumsstreifen oder von uns Medizinern auch Striae genannt, sind zunächst bläulich-rote und später weiß-gelbliche, narbenähnliche Risse unter der Hautoberfläche, welche typischerweise im Brustbereich, Bauch, Oberschenkeln oder Gesäßbereich auftreten.

 

In der Regel sind diese Dehnungsstreifen oder „Einrisse“ aus medizinischer Sicht eher unbedenklich. Trotzdem stellen sie für Betroffene häufig ein großes kosmetisches Problem dar. Wichtig bei der Anamnese solcher Patienten ist, dass wir etwaige Gründe für dieses Erscheinungsbild finden, da Wachstumsstreifen häufig von einem „ungesunden“ Lebensstil produziert werden und in seltenen Fällen auch durch ernstere Erkrankungen verursacht werden können.

Ein kurzer medizinischer Exkurs soll verdeutlichen, wie individuell und unterschiedlich dieser Hautdefekt sich äußern kann.

Dehnungsstreifen sind Risse in der Unterhaut, die durch eine starke Dehnung des Gewebes entstehen. In der Medizin werden sie auch als „Striae cutis atrophica“ oder „Striae cutis distensae“ bezeichnet. Des Weiteren kategorisieren wir Mediziner „Striae gravidarum“ als besondere Form von Dehnungsstreifen, die bei Frauen im Rahmen einer Schwangerschaft entstehen, sowie „Striae pubertalis“, die Art der Dehnungsstreifen, die Jugendliche aufgrund des schnellen Wachstums in der Pubertät entwickeln.

Hauptursächlich für die Risse in der Haut sind insbesondere Schwangerschaften, aber auch starke Gewichtszunahmen, rasches Größenwachstum oder Hormonumstellungen. An dieser Stelle können wir auch einen Irrglauben korrigieren, denn auch Männer können unter Wachstumsstreifen leiden. Häufig können wir die Striae hier bei einem raschen Muskelwachstum beobachten (verstärkt im Bereich des Bodybuildings).

Hier stellt sich die Frage, warum der Körper es nicht schafft diese temporäre Dehnung zu verarbeiten. Wachstumsstreifen können entstehen, wenn das Bindegewebe zu sehr gedehnt wird und die elastischen Fasern (Kollagen und Elastin) der Unterhaut (Subkutis) einreißen. Die Ursachen solcher Überdehnungen können, wie oben im Text angesprochen, stark variieren. In unserer Privatpraxis für ästhetische Medizin sind wir am häufigsten mit Patientinnen und ihren gezielten Anfragen nach einer Schwangerschaft konfrontiert. Vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte treten erste „Risse“ auf, da die Elastizität der Haut durch das wachsende Kind stark strapaziert wird. Außerdem spielt bei der Schwangerschaft der Hormonhaushalt eine sehr wichtige Rolle: Der Kortisolspiegel im Blut ist während der Schwangerschaft erhöht, was zu einer zusätzlichen Verringerung der Elastizität in der Haut führen kann. Diesen beiden Cofaktoren machen es wahrscheinlicher, dass die Haut gerade in der Schwangerschaft einreißt und Dehnungsstreifen leichter entstehen. Besonders anfällig dafür sind Frauen mit empfindlicher, heller Haut, die im Schwangerschaftsverlauf stark zunehmen, schon vorher übergewichtig waren oder ein schwaches Bindegewebe haben.

Wenn der Leidensdruck, der durch die Hautrisse entsteht, zu groß wird, empfehlt sich ein Termin bei einem Dermatologen, denn es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Sichtbarkeit der Dehnungsstreifen zu reduzieren.

Bei den meisten Patientinnen und Patienten sind Dehnungsstreifen eine reine Blickdiagnose. Allerdings ist es sehr wichtig, die Streifen genau zu begutachten, denn das ist notwendig, um eine geeignete Therapie zur Behandlung der Striae zu finden. Die Möglichkeiten, Dehnungsstreifen zu behandeln, sind nämlich sehr vielseitig.

Wir bevorzugen bei der Behandlung das Microneedling. Beim Needling wird ein kleiner Roller mit feinen Nädelchen eingesetzt, wobei kleine Microverletzungen in der Haut bzw. im Bereich der Striae entstehen. Um diese mikroskopisch kleinen Wunden zu schließen, bildet der Körper Kollagen. Dieses sorgt dafür, dass die Haut stabilisiert wird und schrumpft, wodurch die Dehnungsstreifen verringert werden.

Microneedling ist eine Therapiemethode, die insbesondere bei älteren Dehnungsstreifen zuverlässig wirkt. Damit dies gelingt, muss das Needling jedoch tief genug sein – die Nadeltiefe muss also „weit“ über einen Millimeter sein.

Die Methode des Needling klingt zwar im ersten Moment schmerzhaft, in der Regel spürt man allerdings keine starken Schmerzen, denn die Nadeln sind so fein, dass man die Anwendung kaum bemerkt. Bei einem tiefen Microneedling kann es zwar zu leichten Blutungen und leichten Schmerzen kommen, jedoch verwenden wir eine hochwirksame Betäubungssalbe, die Schmerzen deutlich reduziert. Risiken bestehen bei dieser Methode kaum, es kann allerdings nach der Therapie zu kleinen Rötungen und Hämatomen kommen.

In einigen Fällen wenden wir eine Kombinationstherapie an und verwenden noch eine Salbenpräparat mit einem hohen Vitamin-A Gehalt. Diese ist verschreibungspflichtig, kann aber dazu verhelfen, dass die kleinen Narben, die sich aufgrund der Dehnungsstreifen über das Gewebe erstrecken, zurückgehen. Obgleich die Vitamin-A-Salbe eine Linderung der Symptome bewirkt, ist Vorsicht geboten, denn dieses Präparat darf nicht während Schwangerschaft oder Stillzeit verwendet werden, da sie dem ungeborenen Kind unter Umständen schaden könnten.

Der wichtigste Ansatzpunkt ist jedoch die Prävention. Wenige oder partielle Dermaldefekte lassen sich viel einfacher uns besser behandeln, als „größere“ und „tiefere“ Hautschäden/Dehnungsstreifen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Dehnungsstreifen vorzubeugen. In erster Linie ist es wichtig, dass eine starke Gewichtszunahme innerhalb kurzer Zeit vermieden wird. In Phasen eines starken Volumenzuwachses wird die Haut sehr stark gedehnt und es entstehen Dehnungsstreifen. Des Weiteren ist die Hautpflege sehr wichtig. Besonders die Haut muss mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt werden, damit sie nicht an Elastizität verliert und auch im Falle einer Gewichtszunahme oder Schwangerschaft keine Dehnungsstreifen bildet. Hier bietet der Markt eine Vielzahl von diversen Cremes, Öle und Lotionen an.

Viele Tricks und Hausmittel können die Haut „trainieren“ und vorbereiten, sodass Striae erst gar nicht entstehen.

Gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr stärken das Gewebe, wie auch dosierter Sport im Alltag. Trockenbürstenmassagen mit Massagehandschuhen, Zupf- und Knetmassagen und Wechselduschen können ebenso helfen die Haut elastisch zu halten und tragen dazu bei, die Entstehung von Dehnungsstreifen zu verhindern. Die Bildung von Dehnungsstreifen an der Brust können häufig mit einem gut sitzenden BH entschleunigt werden, der das Brustgewebe schützt.

 

Ciao DB

 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.