Hyaluronidase (Hylase®) – ein unbedenkliches Zaubermittel der ästhetischen Medizin!?

Veröffentlicht am 5. Februar 2021 um 21:48

Kann man eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure einfach so rückgängig machen?


 

Hyaluronidase (Hylase®) – ein unbedenkliches Zaubermittel der ästhetischen Medizin!?

Kann man eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure einfach so rückgängig machen?

 

In unserer Privatpraxis für ästhetische Medizin sind wir häufig mit Korrekturanfragen konfrontiert. Patienten, die mit dem Therapieziel nicht zufrieden sind, im Vorfeld falsch behandelt worden sind oder „minderwertige“ Hyaluronsäure injiziert bekommen haben, wünschen sich häufig eine Rückgängigmachung.

Aber kann man einfach eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure wieder „wegzaubern“?

Unterspritzungen mit Hyaluronsäure verlaufen in der Regel komplikationslos, doch in seltenen Fällen kann es zu Problemen kommen. Hyaluronidase (Hylase®) ist ein Enzym, das Hyaluronsäure auflösen kann. Es wird in Pulverform in verschiedenen Konzentrationen produziert. In der Anwendung wird es mit einer Kochsalzlösung aufgelöst. Eine Hyaluronidase-Behandlung erfolgt mit einer sehr feinen Nadel, mit der das Enzymgemisch in das betroffene Areal injiziert wird. Binnen weniger Stunden kommt es zu einer Auflösung der Hyaluronsäure. Je nach Behandlungsregion kann der Einstich mehr oder weniger schmerzhaft sein. Da dieses Enzym sehr stark wirkt, ist es essenziell, dass mit sehr viel Fingerspitzengefühl und kleinsten Mengen gearbeitet wird. In einigen Fällen setzen wir für Hyaluronidase-Behandlungen (Hylase®) lieber mehrere Termine an, um die Hyaluronsäure stufenweise abzubauen.

Abgesehen von der Schönheitsmedizin hat Hyaluronidase (Hylase®) auch einige andere Einsatzgebiete. Dazu gehören entzündliche Veränderungen an Sehnen, Gelenken und Knochen oder die Verwendung als Hilfsmittel bei Augenmuskeloperationen.

Der größte Teil der ästhetischer Gesichtsbehandlungen mit Hyaluronsäure verläuft komplikationslos und zufriedenstellend für den Patienten. Doch es kommt auch vor, dass zu viel Hyaluronsäure injiziert wurde oder der Patient unzufrieden ist, weil er sich das Ergebnis anders vorgestellt hat. Die einfachste und kostengünstigste Lösung ist abzuwarten. Hyaluronsäure wird im Laufe von Wochen und Monaten vom Körper wieder abgebaut.

In den meisten Fällen löst das Abwarten das Problem – aber leider nicht in allen. Manchmal bleiben „Knubbel“ oder „Wülste“ bestehen. Diese Granulome können durch die Injektion von Hyaluronidase (Hylase®) beseitigt werden. (Siehe auch Blogeintrag: Granulome – unerwünschte „Knoten“, „Knubbel“ oder „Wülste“ nach einer Unterspritzung)

Hat der Körper die Hyaluronsäure als Fremdsubstanz definiert, bildet er als Abwehrreaktion Granulome (siehe auch Blogeintrag:  Hyaluronsäure ist nicht gleich Hyaluronsäure). Mit diesen kleinen Knoten versucht der Körper, sich gegen das weitere Vordringen der fremden Substanz zu wehren, indem er sie einkapselt. Ist es so weit gekommen, kann Hyaluronidase (Hylase®) helfen. Wird die Hyaluronsäure aufgelöst, verschwindet nach einiger Zeit in der Regel auch das Granulom wieder. Ob man die Vorbehandlung komplett rückgängig machen kann, hängt allerdings sehr davon ab, wie oft und insbesondere welches Hyaluronsäure-Produkt gespritzt wurde.

Das sehr hochwirksame Enzym Hyaluronidase (Hylase®) verflüssigt die vernetzte Hyaluronsäure. Diese kann dann vom Körper aus dem Gewebe abtransportiert werden. Die Behandlung wirkt um ein Vielfaches stärker als der körpereigene Abbau von Hyaluronsäure und zeigt in den meisten Fällen sofortige Wirkung.

Zwischen ästhetischen Behandlungen mit Hyaluronsäure und dem Einsatz von Hyaluronidase (Hylase®) sollten mindestens zwei Wochen Zeit liegen. Das Ergebnis der Hyaluronsäure-Injektion ist nicht sofort endgültig und so verfälschen leichte Schwellungen, Irritationen und „Einnistprozesse“ der Unterspritzung das Therapieziel. Mit Hyaluronidase (Hylase®) lassen sich auch noch Jahre nach einer Unterspritzung Granulome oder bestehende Wülste auflösen.

Erwähnt werden sollte aber, dass Hyaluronidase kein „Universalmittel“ ist. In der ästhetischen Medizin werden verschiedenste Stoffe zum Unterspritzen von Falten oder Aufspritzen von Gewebedefekten verwendet. Hyaluronidase (Hylase®) hilft ausschließlich bei Vorbehandlungen mit Hyaluronsäure. Bei Botulinumtoxin oder bei Unterspritzungen von Biopolymeren im Lippenbereich ist die Hyaluronidase wirkungslos.

Warum sehen wir dieses „Zaubermittel“ trotzdem kritisch und raten unseren Patienten bei Brückl und Brückl Aesthetic Medicine häufig zu der Methode "Abwarten" bzw. körpereigener Abbau.

In der Fachliteratur wird beschrieben, dass das Enzym Hyaluronidase nicht nur die künstlich zugeführte Hyaluronsäure verflüssigt, sondern auch körpereigenen Hyaluronsäure-Vernetzungen teilweise „angreift“.

Hyaluronidase kann auch als "Notfallmedikament" dienen. Die minimal-invasive ästhetischen Medizin hat wenige echte „Notfälle“. Einer dieser „Notfälle“ ist eine Durchblutungsstörung in Folge von Hyaluronsäure-Unterspritzungen. In sehr seltenen Fällen kommt es vor, dass nach der Behandlung mit Hyaluronsäure eine akute Ischämie auftritt. Dies bedeutet, dass bei der Injektion Hyaluronsäure ein Gefäß verstopft und es zu einer Durchblutungsstörung kommt. Das betroffene Areal wirkt dann blass und blutleer, im weiteren Verlauf verfärbt sich der Bereich rot bis bläulich/schwarz. Hier benötigte es eine medizinisch korrekte Einschätzung des Dermaldefektes, denn nicht durchblutetes Gewebe kann unwiederbringlich geschädigt werden. Sobald sich erste Anzeichen einer Ischämie zeigen, sollte Hyaluronidase injiziert werden.

 

Ciao DB


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